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Über Zollverein
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Welterbetag 2022

Vordenker, Visionäre und politischen Akteure bei Podiumsdiskussion

„Es ist ein Wunder, dass Zollverein noch steht!“

Am ersten Sonntag im Juni feiern alljährlich die 51 Standorte in Deutschland den UNESCO-Welterbetag, auf Zollverein waren es 2022 gleich zwei runde Jubiläen: 50 Jahre Welterbekonvention und 20 Jahre Welterbe Zollverein. Aus diesem Anlass hat Prof. Dr. Hans-Peter Noll, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zollverein, die wegweisenden Akteure und Visionäre zu einer Gesprächsrunde mit Publikum ins Portal der Industriekultur eingeladen.

„Es ist ein Wunder, dass Zollverein noch steht!“ So fasste Dr. Wolfgang Roters, ehemaliger Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Zollverein, die Ereignisse zwischen der Stilllegung der „schönsten Zeche der Welt“ 1986 und der Ernennung zum UNESCO-Welterbe im August 2002  zusammen. „Heute wäre das nicht mehr möglich.“  In den 80er Jahren war es üblich, stillgelegte Industriestandorte abzureißen und neu zu bebauen.

„Der Schrott kommt weg!“ soll der damalige Oberstadtdirektor Kurt Busch über Zollverein gesagt haben und die Ruhrkohle AG stimmte zu. Als schön galt der Baldeneysee, Zechen und Industriebauten waren schäbig. Das Wort „Industriedenkmal“ wurde erst Jahre später erfunden. Prof. Christoph Zöpel war zu der Zeit Landesminister für Stadtentwicklung und erinnerte sich am Pfingstsonntag an sein Husarenstück, das den Abriss verhinderte – er sorgte dafür, dass Zollverein quasi in der Minute der Stilllegung schon unter Denkmalschutz stand. Und weiter? Prof. Oliver Scheytt, ehemaliger Kulturdezernent der Stadt (und späterer Geschäftsführer des Kulturhauptstadtjahrs RUHR 2010) erinnerte sich als gebürtiger Essener, dass niemand aus der Stadtmitte freiwillig mit der Bahn nach Katernberg gefahren wäre, um sich ein Fördergerüst anzugucken. Da stand nun die Stadt Essen mit notorischer Geldknappheit und einem so gigantischen Komplex alter Gebäude, die schlicht verfallen wären, wenn man sie nicht instand hält oder eben anders nutzt. Bloß wie? Wir gründen eine Bauhütte, wie am Kölner Dom! An diese Phase erinnerte Gerd-Peter Wolf, Stadt und Landespolitiker.

Neues Leben durch Umnutzung
Es brauchte den Blick eines Fremden, eines Außenstehenden, um die Schönheit und die Bedeutung solcher Bauten zu erkennen und das war Prof. Karl Ganser, Geograph, Stadtplaner und Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA). Er kämpfte, um alte Hochöfen, den Gasometer und eben auch die Zeche Zollverein. Alle Diskussionsteilnehmer erinnern sich mit Wertschätzung und Wärme an Ganser, der erst vor wenigen Wochen im Alter von 84 Jahren verstorben ist.

„Zollverein braucht einen Ganser-Erinnerungsort!” Diese spontane Forderung aus den Reihen der Mitstreiter, die den langen Weg von der Riesen-Ruine zum UNESCO-Welterbe und vor allem zu einem lebendigen Standort mit vielfältiger Nutzung begleitet haben, kam im Publikum gut an. Das Welterbe Zollverein hat viele Väter und nur wenige Mütter – eine davon, die ehemalige städtische Baudezernentin Dr. Irene Wiese-von Ofen saß in der ersten Reihe im Publikum. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen bremste den Enthusiasmus und erklärte, dass frühestens ein Jahr nach dem Tod eines Menschen eine öffentliche Ehrung oder Straßenbenennung erfolgen kann.

„Zollverein ist die Elitezeche!“ führte Kufen aus, als Vertreter einer Generation, die sich an Zechen und rauchende Schlote in Betrieb nicht mehr erinnern können. Für den Essener Oberbürgermeister ist der Doppelbock das Wahrzeichen der ganzen Region, der Eiffelturm des Ruhrgebiets. Die Eisbahn im Winter, Werksschwimmbad im Sommer – ein Welterbe muss gut genutzt und von den Menschen angenommen werden. Und dass die digitale Zukunft schon kurz vor dem Wochenende an den Start ging, erzählte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Zollverein Hans-Peter Noll nicht ohne Stolz: als Modellprojekt in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture gibt es 21 Geschichten, die das Zechen-Erlebnis von jedem Ort der Welt erlebbar machen.

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