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Über Zollverein
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Aufbruch in die Moderne

Interview mit Heinrich Theodor Grütter

100 Jahre Bauhaus auf Zollverein

Mit dem Auftaktsymposium wurde das Bauhaus-Jahr 2019 in NRW bereits im Herbst 2018 auf Zollverein eingeleitet. Das UNESCO-Welterbe ist im kommenden Jahr Ankerpunkt der 100 Orte der Route der Moderne. Im Gespräch erläutert Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums und Vorstand der Stiftung Zollverein, welche inhaltliche Verbindung zwischen Zollverein und der Bauhaus-Bewegung besteht.

Herr Grütter, am 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkrieges haben Sie vor wenigen Wochen hier auf Zollverein die Ausstellung „Krieg.Macht.Sinn.“ eröffnet. Im Grunde ist das Ende des Ersten Weltkrieges der Startpunkt der Bauhaus-Geschichte. Helfen Sie uns bei der historischen Einordnung.

Prof. Grütter: Ja, der Ausgangspunkt sind die Umbrüche am Ende des Ersten Weltkrieges und die neu entstehende Weimarer Republik. Erst jetzt konnten Bergwerke und Industrieanlagen von solchem Ausmaß entstehen, ohne in Form und Gestalt den repräsentativen Ansprüchen und dem historisierenden Stil des feudalen Kaiserreiches und der tief darin verwobenen Industriellenschaft gerecht zu werden. Insofern symbolisiert Zollverein Schacht XII wie das Bauhaus den Übergang von einer geschichts- und traditionsversessenen feudalen Welt in eine moderne und erstmals demokratisch verfasste Gesellschaft.

Welche inhaltliche Verbindung besteht zwischen dem Bauhaus-Gedanken und 
Zollverein Schacht XII?

Prof. Grütter: Zollverein entspringt dem gleichen Geist und der gleichen gesellschaftlichen Konstellation wie das Bauhaus und insofern stehen beide in einer geschwisterlichen Beziehung. Zollverein war die Antwort auf den Rationalisierungsstau im Bergbau nach dem Ersten Weltkrieg. Um wieder konkurrenzfähig zu werden, bedurfte es völlig neuer Verfahren für die Förderung unter und die Verarbeitung über Tage. Die einzelnen Maschinen und Gebäude auf Zollverein, aber auch ihr räumlicher Zusammenhang und ihre architektonische Formensprache folgten einzig und allein dem Effizienzgedanken, der Maximierung der Förderleistung und der Perfektionierung der technischen Abläufe der damals förderstärksten Steinkohlenzeche der Welt. Dieses rein funktionale Prinzip des „form follows function“ verbindet Zollverein mit dem Bauhaus-Gedanken, der dem gleichen Credo folgt. Es macht die beiden zu unterschiedlichen Ausprägungen einer rationalen, funktionalen Sichtweise der 1920er-Jahre, die wir mit dem weiteren Begriff der Neuen Sachlichkeit fassen.

Schacht XII galt ja schon damals als Musterzeche. Besucher – selbst aus den USA – kamen, um sich die modernste Zeche der Welt anzuschauen. Was war an Zollverein das Besondere?

Prof. Grütter: Ja, die ersten Besucher kamen Anfang der 1930er Jahre aus Amerika. Aber es war ein Geben und Nehmen. Es gab auch einen regelrechten Informationstourismus aus Deutschland nach Amerika, um die neuen rationalen Produktionsformen des Fordismus und Taylorismus zu studieren, also die arbeitsteilige Fließbandproduktion, die ja auch für die Kohleförderung auf Zollverein wichtig wurde.

Kommen wir zum Bauhaus-Programm 2019 auf Zollverein. In gewisser Weise ist es bereits mit der Ausstellung „Albert Renger-Patzsch. Die Ruhrgebietsfotografien.“ gestartet. Erläutern Sie bitte den Zusammenhang.

Prof. Grütter: Der lange Zeit in Essen ansässige Fotograf ist der Begründer einer neusachlichen Fotografie. Der „Fotograf der Dinge“ formulierte eine Fototheorie, die auch für den Bauhaus-Gedanken grundlegend wurde. Ja, man kann sagen, dass ohne seine Überlegungen die Entwicklung der Bauhaus-Fotografie so nicht erfolgt wäre, zumindest bezog sich deren geistiger Vater László Moholy-Nagy auf Renger-Patzschs Arbeiten.

Am 25. April beginnt auf Zollverein das eigentliche Bauhaus-Programm. Der Titel der Ausstellung lautet „Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe.“ Was erwartet die Besucher der Auftaktausstellung?

Prof. Grütter: Die Margarethenhöhe, die zu den bedeutendsten Künstlersiedlungen in Deutschland gehörte, hat den künstlerischen Aufbruch im Westen in der Folkwang-Stadt Essen maßgeblich mitgeprägt. Und im Unterschied zu den anderen Künstlersiedlungen der Zeit wie Hellerau in Dresden oder die Darmstädter Mathildenhöhe handelte es sich hier nicht nur um klassische bildende Kunst, sondern vor allem auch um das Kunsthandwerk. Insofern hat die Künstlerkolonie auf der Margarethenhöhe Karl Ernst Osthaus‘ Frage nach der Kunst im Industrieraum und Walter Benjamins Überlegungen zum Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit wie keine andere zum Thema gemacht.

Dann folgt der „Urknall Bauhaus. Nach der Moderne kommt die Moderne“. Was wird 
hier gezeigt?

Prof. Grütter: Dem westdeutschen Impuls in der Kunst und Kultur wollen wir uns nicht nur historisch nähern. Deshalb veranstalten wir gemeinsam mit unserem Partner hier auf Zollverein, der Folkwang Universität der Künste, die ja selbst ein Ergebnis dieses historischen Prozesses ist, das Projekt „Urknall Bauhaus. Nach der Moderne kommt die Moderne“. Es setzt sich mit der Aktualität des Bauhaus-Gedankens auseinander. Künstler, Musiker, Theatermacher und Fotografen werden sich daran beteiligen und den Bauhaus-Gedanken in Ausstellungen, Aktionen, Performances, Vorträgen und Diskussionen aktualisieren. Partner ist neben der Folkwang Universität auch das Museum Folkwang, worüber ich mich besonders freue.

Zum Abschluss ist Ende 2019 noch eine umfassende Architekturausstellung geplant. Können Sie uns dazu schon etwas sagen?

Prof. Grütter: Wir wollen ja nicht, dass der „Urknall Bauhaus“ wieder verpufft, sondern nachhaltig wirkt. Deshalb haben wir uns entschlossen, Ende 2019 eine Dauerausstellung zur Geschichte und vor allem zur Architektur Zollvereins zu eröffnen. Sie soll den Besuchern dauerhaft über die Bedeutung der Architektur von Zollverein in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Auskunft geben.

Das Gespräch führte Guido Schweiß-Gerwin.

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