Ein besonderer Tag in Helsinki, Finnland: Es ist der 14. Dezember 2001 – und das World Heritage Commitee ernennt Zollverein einstimmig zum UNESCO-Welterbe. In der Begründung heißt es: „Der Bergbaukomplex Zeche Zollverein ist ein außerordentliches Kulturdenkmal dank der Tatsache, dass seine Gebäude herausragende Beispiele für die Anwendung von Gestaltungskonzepten der architektonischen Moderne auf einen ganzen industriellen Komplex sind.“ Was sich recht nüchtern liest, wird beim Anblick der Gebäude augenscheinlich. Nicht umsonst nennt man Zollverein gern die schönste Zeche der Welt. Die von Fritz Schupp und Martin Kremmer gestaltete Schachtanlage beeindruckt auch fast 100 Jahre nach ihrer Errichtung durch ihre Ästhetik.
Im Lauf der Jahre ist Zollverein gewachsen. Der Ausblick vom Panoramadach der Kohlenwäsche offenbart die räumlichen Dimensionen des Areals: den Zollverein Park, das weitläufige Kokereigelände sowie Neubauten jüngeren Datums wie das SANAA-Gebäude, die Folkwang Universität der Künste und den Sitz von RAG-Stiftung und RAG AG samt grünem Dachgarten. Eins allerdings wird aus dieser Perspektive verschwindend klein: die Menschen.
Bewahren und gestalten
Dabei sind es gerade die Menschen, die den Standort mit Leben füllen. Ein Ort, der ursprünglich für Maschinen errichtet wurde, zeichnete sich von Anfang an durch den Zusammenhalt unter Kumpeln und Kokern aus. Eine Tugend, die die Identität des Ruhrgebiets prägte. Und auch nach der Stilllegung von Zeche und Kokerei waren und sind es die Menschen, die den Industriekomplex bewahren, weiter gestalten und zu dem machen, was Zollverein heute ist: off en für alle, touristische Attraktion, Ort für Kunst und Kultur, Naherholungsgebiet, Bildungs- und Wirtschaftsstandort, Identifikationspunkt und Reallabor für Nachhaltigkeit. Und das mehr als erfolgreich – rund 1,7 Millionen Gäste aus aller Welt besuchen jedes Jahr das Welterbe.
Die Grundlage geschaffen haben Menschen wie die Denkmalpfleger Eberhard Grunsky und Udo Mainzer, Hans Kania von der Bauhütte und der Geschäftsführer der IBA Emscher Park Karl Ganser, die 1997 den Welterbetitel beantragten. Genauso wie Architekt Rem Koolhaas, dessen 2002 vorgelegter Masterplan dafür sorgte, dass der Kernbereich des Welterbes von Neubauten freigehalten und Bestandsgebäude für neue denkmalgerechte Nutzungen hergerichtet wurden.
Start ins Jubiläumsjahr
Im Jubiläumsjahr sind die Menschen auf dem und um das Welterbe herum einmal mehr und ganz explizit aufgerufen, sowohl den Wandel als auch die Zukunft Zollvereins weiter zu entwerfen. Um das deutlich zu machen, verfolgt die Stiftung 2026 die Leitlinie „denk mal Zukunft “. Aus dem Denkmal wird ein „denk mal“. Eine Aufforderung, ein Appell, gemeinsam zu gestalten, zu planen und nach vorn zu blicken.
Dabei kommt aber auch das gemeinsame Feiern nicht zu kurz. Einen offiziellen Auftakt nimmt das Jubiläumsjahr mit der Saisoneröffnung am 29. März. Traditionell gibt es an diesem Tag kostenfreie Führungen im Denkmalpfad Zeche und Kokerei sowie freien Eintritt ins Ruhr Museum. Zahlreiche Mitmachaktionen laden ein, gemeinsam kreativ und aktiv zu werden: Bastel-Angebote, Zeichen-Workshops, ein mobiles Tonstudio sowie freie Parkourtrainings. Eine Pflanzaktion weckt die Vorfreude auf den BOULEVARD of DREAMS im Sommer, ein Kostümstand samt Maskenbar und Selfie-Spot auf den Maskenball im Herbst und nicht zuletzt ist die Compagnie de Quatre Saisons mit einem Straßentheaterstück zu Gast: Sie schicken die große Drachendame Joséphine auf eine poetische Reise.
Eröffnung des Welterbe Forums
Ein weiteres Highlight ist die Eröffnung des Welterbe Forums am 7. Juni, dem Welterbetag. Der neue zentrale Treffpunkt befindet sich gleich am Werner-Müller-Platz, ebenerdig zugänglich und zurückhaltend eingegliedert in die Architektur. Von außen beeindruckt es mit großer Glasfassade und künftig mit einer künstlerischen Installation, entstanden aus einem Ideenwettbewerb mit Studierenden der Folkwang Universität der Künste. Im Inneren des Forums haben Gäste die Möglichkeit, via Touch-Screens Angebote auf dem Welterbe-Gelände zu recherchieren oder online Tickets und Führungen zu buchen. Außerdem informiert ein auf einer überdimensionalen LED-Wand gezeigter Film über die Bedeutung Zollvereins als UNESCO-Welterbe.
Fertigstellung Denkmalpfad
Eine Verbindung von der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft schaff t auch der Denkmalpfad Kokerei. Das einzigartige Vermittlungsformat macht mit Projektionen und Animationen in den im Original erhaltenen Anlagen die komplexen Funktionsabläufe der einst größten Zentralkokerei Europas nachvollziehbar. Die bisherigen Stationen „Löschen“, „Drücken“, „Verkokung“, „Arbeit und Leben“, „Fuchs und Schornstein““, „Abkühlen“, „Übergabe der Kokskohle“ sowie „Nebenprodukte“ werden im Herbst dieses Jahres um die beiden finalen Stationen „Beheizung“ und „Umweltbelastungen und Umweltschutz“ ergänzt. Sie vermitteln nicht nur Wissen über die Vergangenheit, sondern regen dazu an, darüber nachzudenken, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen. Insbesondere
Fragen nach Umweltbelastungen und -schutz stellen sich heute drängender denn je. So ist der Denkmalpfad in gewisser Weise auch ein „denk mal Zukunft “-Pfad. Noch mehr Vorfreude Die Leitlinie „denk mal Zukunft “ zieht sich wie ein roter Faden durch das dichte Programm auf Zollverein. Von der Extraschicht bis hin zu den „denk mal Zukunft – Nachhaltigkeitstagen“. So bringt schon der Blick in die ganz nahe Zukunft auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein jede Menge Vorfreude mit sich. Und das wird auch bildlich festgehalten: Anlässlich des Jubiläumsjahres macht der renommierte Fotograf Ralf Schultheiß über das gesamte Jahr hinweg Fotos von Menschen mit einem starken Zollverein-Bezug. 2026 werden die Bilder in einer stadtweiten Kampagne präsentiert – 2027 sind sie dann Teil einer Ausstellung in der Mischanlage der Kokerei.