Es ist eine fotografische Arbeit, die ihn tief bewegt: Alexander Lackmann widmet sich seit einigen Jahren dem Thema Suchterkrankungen. Dabei stellt er auch die Frage, inwiefern Fotografie an der Entstehung und Verstärkung von Vorurteilen beteiligt ist. Eine Antwort darauf sind seine eigenen Aufnahmen von Klientinnen, Klienten, Angestellten und den Raumansichten sogenannter Konsumräume. Zu sehen sind sie seit Sonntag, 29. März 2026, unter dem Titel „Gelb ist Geschichte!“ im Rundeindicker auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein. Die Ausstellung ist Teil der Reihe „Pixelprojekt auf Zollverein“.
Der in Gelsenkirchen geborene Fotograf Alexander Lackmann möchte mit seinen Aufnahmen unter anderem die Stigmatisierung von Suchterkrankten entkräften und den Betrachterinnen und Betrachtern vor Augen führen, wie dem Thema Sucht mit der nötigen Empathie begegnet werden kann. Zurzeit umfasst Alexander Lackmanns Arbeit Fotografien von Raumansichten der Konsumräume sowie Porträtaufnahmen. „Menschen beim Konsum wollte ich nicht zeigen, um sie nicht auf ihre Sucht zu reduzieren. Aber nur die Räume darzustellen, erschien mir auch als zu wenig“, erklärt Alexander Lackmann und ergänzt: „Für meine Idee, Porträts zu fotografieren, fanden sich glücklicherweise schnell Interessierte, denn ich hatte zu vielen Menschen in diesem Umfeld einen guten und vertrauensvollen Kontakt.“
Seit Anfang 2024 befasst sich der Fotograf mit Drogenkonsumräumen und Menschen, die an einer Sucht erkrankt sind. In den speziellen Räumlichkeiten erhalten sie neben einer medizinischen Grundversorgung und hygienischen Injektions- und Rauchutensilien vor allem eine sichere Umgebung. Der Aspekt der Hygiene spiegelt sich im Titel wider: „Gelb ist Geschichte!“ nimmt Bezug auf das Thema Hepatitis C – eine Erkrankung der Leber, die zum Beispiel durch die Benutzung unsauberer Spritzen hervorgerufen wird und zu einer Gelbfärbung der Haut führt. Ein Ziel von Alexander Lackmann: die Komplexität von Abhängigkeit sichtbar machen und zum Nachdenken über gesellschaftliche Vorurteile anregen.
„Gelb ist Geschichte!“ ist die elfte Schau der Ausstellungsreihe „Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet – Pixelprojekt auf Zollverein“ auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein und läuft bis Sonntag, 25. Oktober 2026. Ein dazugehöriger Katalog ist vor Ort bei der Buchhandlug Walther König in der Kohlenwäsche für 10 Euro erhältlich.
Kurzbiographie Alexander Lackmann
Alexander Lackmann wurde 1994 in Gelsenkirchen geboren und studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung von 2018 bis 2023 Fotografie (Bachelor of Arts) an der Essener Folkwang Universität der Künste. Hier befindet er sich aktuell im Masterstudiengang.
Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet – Pixelprojekt auf Zollverein
Die Ausstellungsserie zeigt seit November 2021 zeitgenössische Positionen und Ruhrgebietsthemen, die von einer Fach-Jury ausgewählt werden. Die Jury besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Museums Folkwang, der Folkwang Universität der Künste, des Ruhr Museums, des Pixelprojekt_Ruhrgebiet, des Historischen Archivs Krupp sowie der Stiftung Zollverein. Mit der Reihe vereinen die Stiftung Zollverein und das Pixelprojekt_Ruhrgebiet in Kooperation mit dem Ruhr Museum ihre Fotokompetenzen und geben junger zeitgenössischer Fotografie eine Plattform.
Veranstaltung: „Gelb ist Geschichte!“ – Fotografien von Alexander Lackmann
Zeit: 30.03.-25.10.2026, täglich 10:00-18:00 Uhr
Veranstalterin: Stiftung Zollverein in Kooperation mit Pixelprojekt_Ruhrgebiet und dem Ruhr Museum
Ort: Rundeindicker in der Kohlenwäsche, UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen
Eintritt: Erwachsene 3 €, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende unter 25 Jahren frei
Projektförderer: RAG-Stiftung sowie Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein e.V.
Über Pixelprojekt_Ruhrgebiet
Das Pixelprojekt_Ruhrgebiet wurde 2002 vom Fotografen Peter Liedtke entwickelt und 2003 auf Initiative von damals 26 freien Fotograf:innen gegründet. Es ist ein nicht kommerzielles Projekt, das hervorragende fotografische Serien zu einzelnen Aspekten der Region Ruhrgebiet sammelt, strukturiert und auf einer Internetseite sichtbar macht. Über die neu aufgenommenen Serien entscheidet eine Jury. Die mehr als 10.000 Bilder der Sammlung widmen sich Themen wie Ökologie, Soziales, Kultur, Stadt, Wohnen, Sport, dem wirtschaftlichen Wandel und vor allem den Menschen in der Region Ruhrgebiet. pixelprojekt-ruhrgebiet.de