Das UNESCO-Welterbe Zollverein feiert 2026 sein 25-jähriges Jubiläum – im Jahr 2001 wurden Zeche und Kokerei in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Unter der Leitlinie „denk mal Zukunft“ lädt die Stiftung Zollverein dazu ein, das Welterbe nicht nur als bedeutendes Denkmal der Industriegeschichte zu erleben, sondern auch als Ort der Begegnung, der Kultur und der gemeinsamen Zukunftsgestaltung. Ein erster Höhepunkt: Die Saisoneröffnung am Sonntag, 29. März 2026, mit einem kostenfreien Programm für Klein und Groß auf der Zeche und der Kokerei.
Mit dem Jubiläumsjahr verbindet die Stiftung Zollverein den Blick auf die Geschichte des Standorts mit Fragen nach seiner künftigen Entwicklung. Die Leitlinie „denk mal Zukunft“ steht dabei für den Anspruch, das Welterbe als lebendigen Ort weiterzuentwickeln und neue Zielgruppen für Zollverein zu begeistern. Christoph Tesche, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein, sagt: „25 Jahre UNESCO-Welterbe sind weitaus mehr als ein Anlass zu feiern. Es ist ein Moment, in dem wir einerseits Bilanz ziehen dürfen – und andererseits Verantwortung für das Kommende übernehmen. Aus meiner Sicht ist das eine große Chance. Wir können zeigen, wie sich ein Welterbe weiterentwickelt. Und wir können Menschen neu für Zollverein gewinnen: für die Geschichte, aber auch für die aktuellen Themen wie Kunst und Kultur, Bildung, Nachhaltigkeit, Inklusion oder wirtschaftliche Aspekte. Das Jubiläumsjahr gibt dafür Rückenwind.“
Auch für die Stadt Essen ist Zollverein weit mehr als ein herausragendes Industriedenkmal. Julia Jacob, 1. Bürgermeisterin der Stadt Essen, betont die besondere Bedeutung des Welterbes für die Stadt: „Zollverein verbindet Geschichte, Identität und Zukunft auf einzigartige Weise. Mit der Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste hat Essen vor 25 Jahren internationale Anerkennung für einen Ort erhalten, der exemplarisch für den erfolgreichen Wandel der Region steht.“
An diesem Wandel hat die RAG-Stiftung ebenfalls einen großen Anteil. Sie fördert das UNESCO-Welterbe seit 2012 und unterstützt insbesondere Projekte, die Teilhabe ermöglichen und den Ort für möglichst viele Menschen zugänglich machen. Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Mitglied des Vorstands der RAG-Stiftung, sagt: „Früher stand Zollverein für harte Arbeit, heute für Kultur, Bildung und Begegnung. Dabei ist Zollverein offen für Menschen aus der Region, aber auch für alle, die als Besucherinnen und Besucher von außerhalb kommen. Hier am Standort können Werte erfahren werden, die für den Bergbau prägend waren, wie etwa Solidarität, Miteinander und aufeinander achtzugeben. Und diese Ideale werden in vielfältigen Kunst- und Kulturprojekten gelebt und weitergetragen. Hervorheben möchte ich die Ausstellung HOLO-VOICES und hier besonders den Teil „Unter Tage. Unter Zwang.“. Das Projekt zeigt eindrücklich, was passiert, wenn wir unsere Demokratie nicht schützen.“
Junge Menschen im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt im Jubiläumsjahr liegt auf Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So wurde der Spielplatz „Abenteuer Zollverein“ erweitert und auf der Kokerei entsteht ein Jugendclub als kreativer Ort für Kultur und Sport. Denn gerade die junge Generation soll für das Welterbe begeistert werden und aktiv über dessen Zukunft nachdenken.
Mit dem Open-Air-Festival BOULEVARD of DREAMS geht zudem ein noch junges Format in die zweite Runde. Es rückt den Zollverein Park vom 18. Juni bis 12. Juli 2026, jeweils donnerstags bis sonntags, als grüne Oase des Areals in den Mittelpunkt – mit kostenfreien Angeboten wie Konzerten, Performances, Yoga, Tanz- und Kreativworkshops sowie einem Familienprogramm.
Das Jubiläumsjahr hält zahlreiche kulturelle, touristische und familienfreundliche Höhepunkte bereit. Zu den wichtigsten Projekten zählt die Eröffnung des Welterbe Forums zum UNESCO-Welterbetag am 7. Juni 2026. Es wird als neuer zentraler Treffpunkt auf Zollverein dienen – barrierefrei und mit mehrsprachigen digitalen Medienstationen. Die ExtraSchicht steht am 27. Juni 2026 unter dem Motto „GLOW! – denk mal Zukunft!“ und verwandelt das Welterbe mit Performances, Neuem Zirkus, Beats und Video-Mapping in eine schimmernde Landschaft aus Licht, Klang und Bewegung. Mit Ralf Schultheiß begleitet darüber hinaus ein renommierter Fotograf das Jubiläumsjahr und hält Menschen bildlich fest, für die Zollverein eine ganz besondere Bedeutung im Leben hat. Die Ergebnisse sollen 2027 in einer eigenen Ausstellung auf Zollverein präsentiert werden. Einen weiteren fotografischen Schwerpunkt setzt die Ausstellung „bau1haus – die Moderne von Essen bis Asmara!“, die vom 10. Mai bis 2. August 2026 Aufnahmen des Berliner Künstlers Jean Molitor zeigt.
Auch über das Areal hinaus wird das Jubiläum sichtbar sein. Eine Auswahl großformatiger Architekturfotografien aus der Ausstellung „Faszination Zollverein“ von Thomas Stachelhaus geht auf Reisen und wird an mehreren besonderen Orten gezeigt, darunter im Landtag NRW sowie in der NRW-Repräsentanz in Berlin. So trägt die Ausstellung das Jubiläum „25 Jahre UNESCO-Welterbe Zollverein“ weit über die Grenzen des Welterbes hinaus. Zudem wird ein Teil der Ausstellung an die UNESCO-Projektschule Verl wandern. Rund 1.300 Schülerinnen und Schüler erhalten dort nicht nur einen fotografischen Eindruck von Zollverein, sondern besuchen das Welterbe im Jubiläumsjahr auch persönlich.
„denk mal Zukunft“ in der Erprobung
Ein Zukunftsprojekt des Jubiläumsjahres testet die Stiftung Zollverein gemeinsam mit dem Essener Startup go AVA GmbH, gefördert von der RAG-Stiftung. Im Laufe des Jahres 2026 wird auf Zollverein eine KI-gestützte Live-Übersetzung für Führungen erprobt – übrigens weltweit einzigartig. Übersetzt wird mittels künstlicher Intelligenz das, was ein Guide während einer Zechen- oder Kokereiführung erklärt – in sechs Sprachen und zusätzlich in einfacher Sprache. Zu hören ist dies über Empfangsgerät und Kopfhörer. Das ist im Jubiläumsjahr ein starkes Signal: Zollverein feiert nicht nur 25 Jahre Welterbe, sondern erweitert auch den Zugang.
Mit dem virtuellen Bergmann Horst Rudnik kommt 2026 zudem ein zweites innovatives Vermittlungsprojekt mit go AVA hinzu. Es wird getestet, ob er künftig als digitale Vermittlungsfigur Einblicke in die Geschichte und den Wandel des Standorts geben kann. Dass ausgerechnet Horst Rudnik diese Rolle übernimmt, ist dabei besonders stimmig: Einst selbst Bergmann auf Zollverein, führt er heute Besucherinnen und Besucher über das Welterbe – und bekommt nun mit seinem virtuellen Gegenüber eine zeitgemäße digitale Ergänzung an die Seite. Der Zukunftsgedanke des Jubiläumsjahres zeigt sich auch in den „denk mal Zukunft“-Nachhaltigkeitstagen vom 5. bis 9. Juli 2026. In diesem Zeitraum bündelt die Stiftung Zollverein ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten und schafft Raum für Netzwerktreffen, Diskussionsrunden und Fachveranstaltungen.
Saisoneröffnung am 29. März 2026
Den Auftakt des Jubiläumsjahres bildet die Saisoneröffnung am Sonntag, 29. März 2026. Besucherinnen und Besucher erwartet ein kostenfreies Programm mit Führungen, Ausstellungen und Mitmach-Angeboten – im Ruhr Museum, im Denkmalpfad, in der Mitmachzeche, bei PACT Zollverein und an vielen anderen Orten auf dem UNESCO-Welterbe. Zu den besonderen Attraktionen zählt der sieben Meter lange rauchende Drache „Joséphine et ses dragonneaux“, der über den Werner-Müller-Platz zieht und auf dessen Rücken Kinder spielen und rutschen können. Auch der Spielplatz „Abenteuer Zollverein“ wird vollständig fertiggestellt sein. Außerdem werden XXL-Banner unter dem Doppelbock sowie an der Mischanlage der Kokerei zu sehen sein. Zur Saisoneröffnung startet um 11 Uhr im Oktogon das neue Gesprächsformat „Mensch bleiben!“ der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein. Unter der Moderation von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer kommen erstmals Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Medizin und Kultur zum Austausch zusammen. Zu den ersten Gästen zählt unter anderem die ehemalige Gesundheitsministerin Barbara Steffens.
Das gesamte Programm unter www.auf-zollverein.de.