Mit HOLO-VOICES werden die Erfahrungsberichte von Überlebenden des Holocaust für nachkommende Generationen dauerhaft gesichert und für die Bildungsarbeit zugänglich gemacht. Dank modernster Künstlicher Intelligenz (KI) und Hologramm-Technik werden die originalen Aufnahmen von Zeitzeugen fotorealistisch als dreidimensionales Hologramm dargestellt. Dies ermöglicht eine direkte Begegnung mit den Zeitzeugen und eine lebendige Interaktion. So bleiben die persönlichen Geschichten der Zeitzeugen mit einem klaren Auftrag für nachfolgende Generationen erhalten: Nie wieder ist jetzt!
Begegnen
Der Holocaust und das damit verbundene, unermessliche Leid der Jüdinnen und Juden prägt die deutsche Geschichte – auch 80 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus. Die Erinnerung an die Gräuel, verbunden mit der Mahnung, die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus zu erheben, gehören zu den bleibenden Aufgaben deutscher Erinnerungskultur, und sie sind aktueller denn je. Spätestens seit dem Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 sind die Fälle von antisemitischen Übergriffen in Europa drastisch angestiegen.
Voraussetzung für HOLO-VOICES sind lange Interview-Sitzungen mit Holocaust-Überlebenden. Das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek hat bereits vor einigen Jahren umfassende, mehrtägige Interviews mit den Zeitzeugen Inge Auerbacher (Jahrgang 1934) und Kurt Salomon Maier (Jahrgang 1930) geführt und aufwendig produziert. Seit September 2023 werden diese Interviews zusammen mit der begleitenden Ausstellung „Frag nach!“ in Frankfurt am Main öffentlich präsentiert und können dort interaktiv befragt werden. Diese Aufnahmen wurden jetzt für die Hologramm-Technik genutzt.
Darüber hinaus haben Studentinnen und Studenten des Journalistik-Studiengangs der TU Dortmund gemeinsam mit Historikerinnen und Historikern für HOLO-VOICES einen umfangreichen Interview-Fragenkatalog zusammengestellt. Mit diesen Fragen weiten wir den Kreis der Holocaust-Überlebenden, die an HOLO-VOICES mitwirken, kontinuierlich aus. Die Interviews werden aufgezeichnet, in einem technisch aufwendigen Verfahren zu dreidimensional erlebbaren Hologrammen verarbeitet und nach Fertigstellung auf UNESCO-Welterbe Zollverein gezeigt.
Fragen
Persönliche Begegnungen und Gespräche mit Zeitzeugen des Holocaust sind von unschätzbarem Wert. Ihre Geschichten und Erfahrungen machen die Schrecken des Nationalsozialismus greifbar. Uns bleibt nur noch wenig Zeit, ihre Geschichten für die nachfolgenden Generationen zu bewahren und erlebbar zu machen.
Mit Hilfe modernster KI ist es möglich, den Holocaust-Überlebenden Fragen zu stellen. Die KI ermittelt die passende Original-Antwort, die die Zeitzeugen zuvor im Interview gegeben haben, so dass es zu einer lebendigen Interaktion kommt.
Weitersagen
Die Erfahrung und die Eindrücke einer persönlichen Begegnung mit Überlebenden des Holocausts sind unersetzlich. HOLO-VOICES kann dabei helfen, die Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus unmittelbar zu weiterzugeben, so dass insbesondere junge Menschen, aber auch alle anderen Interessierten mit Zeitzeugen über KI ins Gespräch kommen – und das Gehörte weiter teilen.
Ausblick
Neben der begleitenden Ausstellung „Frag nach!“ in Frankfurt am Main wird es eine vom Verein ZWEITZEUGEN kuratierte Ausstellung „Unter Tage – Unter Zwang“ zur Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau geben. Diese entsteht in Kooperation mit dem Ruhr Museum.
Der Besuch von HOLO-VOICES mit seinen Begleitausstellungen „Frag nach!“ und „Unter Tage. Unter Zwang“ ist kostenfrei und kann täglich von 12 bis 18 Uhr flexibel besucht werden. Gruppenangebote, Führungen und Workshops (z.B. für Schulklassen) müssen im Voraus über ein Formular auf der offiziellen Ausstellungs-Webseite angemeldet werden.
Die Idee
Die Idee zu dem Leuchtturm-Projekt kam Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, bei einer USA-Reise im Jahr 2024. Beim Besuch des Illinois Holocaust Museum in Chicago erlebten sie und Prof. Dr. Manfred Bayer, wie beeindruckend die Begegnung im Hologramm mit Holocaust-Überlebenden sein kann. Schnell war klar, dass Nordrhein-Westfalen einen solchen Erinnerungs- und Lernort braucht. Jetzt wurde das Projekt unter dem Titel „HOLO-VOICES – begegnen • fragen • weitersagen“ der Öffentlichkeit vorgestellt.
HOLO-VOICES ist ein Projekt des Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und der Technischen Universität Dortmund. Das Projekt wurde mit der Förderung der RAG-Stiftung, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und der Brost-Stiftung realisiert. Unterstützt wurde HOLO-VOICES von der Stiftung Zollverein dem Deutschen Exilarchiv der Deutschen Nationalbibliothek und dem ZWEITZEUGEN e.V..
Eine der Holocaust-Überlebenden, die bereits für HOLO-VOICES interviewt wurde, ist Eva Weyl. Die Tochter eines Textilkaufmanns aus Kleve kam 1935 in den Niederlanden zur Welt, nachdem ihre Eltern Deutschland verlassen und sich dort niedergelassen hatten. Nach ersten unbeschwerten Jahren im Exil wurden sie Ende 1942 ins Zwischenlager/Konzentrationslager Westerbork verschleppt. Westerbork war ein Durchgangslager zu Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau und Sobibor und war im Zweiten Weltkrieg als „Portal zur Hölle“ bekannt. 1945 wurden Eva Weyl und ihre Eltern von kanadischen Soldaten befreit. Noch heute feiert sie mit ihrer Familie den 12. April 1945 als Tag der Befreiung. Zeitzeugin Eva Weyl: „Die moderne Technik mit KI ist fantastisch. So kann ich mithelfen, dass die Geschichte bewahrt bleibt. Besonders den jungen Menschen möchte ich sagen: Ihr müsst die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt. Helft mit gegen Intoleranz, gegen Respektlosigkeit und gegen Entwürdigung. Und sprecht über das, was ihr bei HOLO-VOICES erfahrt. Erzählt es Euren Eltern, sprecht zu Hause darüber – und seid menschlich!“
„HOLO-VOICES lässt die Überlebenden des Holocaust zu Wort kommen. Wir brauchen ihre authentischen Schilderungen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welches Leid sie erfahren mussten – und welche Schuld die Mitläufer und Schweiger auf sich geladen haben. Ich bin Eva Weyl und allen anderen Holocaust-Zeitzeugen sehr dankbar, dass sie sich den Strapazen von langen Interview-Tagen ausgesetzt haben. Sie leisten damit einen unschätzbaren Dienst gegen das Vergessen.“
„Jüdinnen und Juden müssen sich zu jeder Zeit überall in Nordrhein-Westfalen sicher fühlen. In Zeiten, in denen der Antisemitismus in beunruhigendem Ausmaß erstarkt, ist das Hologramm-Projekt ein Leuchtturm. Ich bin Ministerin Brandes und allen Projektpartnern sehr dankbar, dass sie die Erinnerungen der Shoah-Überlebenden auch für kommende Generationen erhalten und hautnah erlebbar machen. HOLO-VOICES ist ein leuchtendes Zeichen für den Dialog und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.“
„Als ein führender Standort der KI-Forschung bringen wir mit großem Engagement unsere Expertise ein, jungen Menschen einen Dialog mit Zeitzeugen des Holocaust dauerhaft zu ermöglichen. HOLO-VOICES ist für uns zu einem interdisziplinären Forschungsprojekt geworden. Gemeinsam erarbeiten Expertinnen und Experten aus Journalismus und KI zusammen mit Historikerinnen und Historikern einen wertvollen Beitrag gegen Antisemitismus und Rassismus.“
Angesichts der herausragenden gesellschaftlichen Bedeutung und der europaweiten Einzigartigkeit des Projekts ist es gelungen, mehrere Förderer für HOLO-VOICES zu gewinnen. Die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung tragen rund 35 Prozent der Gesamtkosten von rund 3,2 Millionen Euro. Die restliche Finanzierung liegt beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und wird der TU Dortmund als Projektträger zweckgebunden zur Verfügung gestellt.
„Aus der historischen Verantwortung heraus ist es der RAG-Stiftung wichtig, das Wissen auch um die Schattenseiten der Lebenswelt der Bergleute zu bewahren. Deshalb sind wir von diesem Kooperationsprojekt überzeugt: Es vermittelt gerade einem jungen Publikum einen immersiven und eindrücklichen Einblick in das Leid, das im Dritten Reich insbesondere durch die Shoah, aber auch durch die Zwangsarbeit im deutschen Steinkohlenbergbau, verursacht wurde. Die Botschaften, die von dieser besonderen Ausstellung ausgehen, sind wichtiger denn je: Junge Menschen müssen informiert und sensibilisiert werden gegen eine zunehmend rechte Radikalisierung unserer Gesellschaft. Es braucht den mutigen Einsatz gegen einen wieder erstarkenden Antisemitismus.“
„Das Projekt HOLO-VOICES liegt uns besonders am Herzen, weil es jungen Menschen auf eindrückliche Weise ermöglicht, Geschichte hautnah zu erleben und daraus verantwortungsbewusstes Handeln für die Zukunft abzuleiten. Die Krupp-Stiftung sieht es seit jeher als Teil ihres Auftrags, Erinnerungskultur lebendig zu halten und einen Beitrag zu Toleranz und Verständigung zu leisten.“
„HOLO-VOICES macht keine Gedenkpose. Das Projekt macht Aufklärung. Hologramme reden weiter, wenn Zeugen längst verstummt sind. Das ist mehr als Technik, auch kein Mahnmal, das ist Widerstand gegen Ignoranz und Vergessen. Man muss wissen, was war, sonst merkt man nicht, was wieder kommen kann. Bildung ist Überlebenswissen.“
„Wir freuen uns, mit ‚Frag nach!‘ Teil des Lern- und Bildungsortes auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein zu sein. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder erstarkt und der Ruf nach einem Schlussstrich lauter wird, ist es ein starkes Signal, dass Frau Ministerin Brandes dieses Projekt auf den Weg gebracht hat.“
„Die persönlichen Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden helfen besonders jungen Menschen, Geschichte zu begreifen, und ermutigen dazu, heute aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzutreten. HOLO-VOICES schafft eine Brücke in die Zukunft: Es macht persönliche Erinnerungen weiterhin erlebbar. Wir freuen uns, mit unseren Bildungsangeboten für Jugendliche und Erwachsene Teil dieses außergewöhnlichen Projekts zu sein und so zu einer lebendigen Erinnerungskultur beizutragen.“
Heiligabend (24.12.), 1. Weihnachtstag (25.12.) und Silvester (31.12.) geschlossen
Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) des Landes Nordrhein-Westfalen
Christian Voss
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