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Station 1: Neue Pflanzen (Neophyten)

Zwischen den stillgelegten Gleisen haben sich Pflanzen aus vielen verschiedenen Ländern angesiedelt.

Diese neuen Pflanzen (Neophyten) „reisten“ per Schiff und Bahn mit Warentransporten ins Ruhrgebiet, manche wurden auch von Menschen aus ihrer Heimat mitgebracht und breiteten sich über Zäune hinweg aus. Im Sommer blühen sie auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein um die Wette: Goldruten und Nachtkerzen aus Nordamerika, das Schmalblättrige Greiskraut aus Südafrika, der Fliederspeer aus China, der klebrige Alant aus dem Mittelmeerraum und das Knopfkraut aus Südamerika.

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© Jochen Tack / Stiftung Zollverein
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 2: Pioniere und Überlebenskünstler

Nur für wahre Überlebenskünstler: Die schwarze, offene Fläche rund um die Rückriem-Skulptur „Castell“ im Skulpturenwald stellt für Pflanzen und Tiere einen Extremstandort dar.

Im Sommer heizt sich der Boden aus Kohleschlamm auf über 60 °C auf. Dieses scheinbar unwirtliche Terrain besiedeln Pioniere wie Moose und Flechten sowie ein- oder zweijährige krautige Pflanzen, die an Trockenheit und Nährstoffarmut angepasst sind. Hier und da sieht man auch blauflügelige Heuschrecken auffliegen.

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© Esther Guderley
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 3: Sukzession

Auf Zollverein erwartet den Spaziergänger ein Kontrastprogramm: Wähnt man sich einerseits im wild wachsenden Urwald mit verschlungenen Pfaden, moosbewachsenen Mauerresten und verlassenen Bandbrücken, so öffnet sich gleich darauf eine große Lichtung mit schwarzem Rohboden und niedrigen Pionierpflanzen, gesäumt von Hochstauden und Gebüschen.

Daran lässt sich sehr gut erkennen, dass die Natur immer in Bewegung ist. Die Vegetation entwickelt sich und durchläuft mit der Zeit verschiedene Sukzessionsstadien von der unbesiedelten Fläche bis zum Wald. Die Natur kehrt zurück!

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Jochen Tack / Stiftung Zollverein
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 4: Industriewald

Etwa ein Drittel der Fläche Zollvereins ist bewaldet. Im Laufe der Jahrzehnte entstand ein lichter Industriewald aus anspruchslosen Baumarten wie Robinie, Birke, Bergahorn und Salweide zwischen der Zeche und der Kokerei Zollverein.

Der Wald ist Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, Skulpturenpark für Kunstliebhaber und Lebensraum für viele Vogelarten, Moose, Flechten und Pilze. Überließe man das Welterbe Zollverein der Natur, wäre es recht bald komplett bewaldet.

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 5: Wasserpflanzen und -tiere

In wasserführenden Senkungsbereichen und temporären Pfützen tummelt sich das Leben – an Extrembedingungen angepasste Libellen- und Amphibienarten sind Bewohner der Halde und ihrer Umgebung.

Kreuzkröten und Südliche Binsenjungfern sind typische Vertreter der Pionierarten, die sich an den flachen und gut besonnten Gewässern finden lassen. Während die Libellen morgens ruhend an Wasserpflanzen betrachtet werden können, sind die Kreuzkröten am besten in der späten Dämmerung an den Gewässern zu hören. Ihre Rufe reichen bis zu einen Kilometer weit.

In dem sommertrockenen Tümpel auf der Halde sind neben Grasfröschen auch Berg- und Teichmolche zu beobachten. Entscheidend für die auf Industriebrachen vertretenen Amphibien- und Libellenarten ist das Trockenfallen des Tümpels und der im Gelände zu findenden Wasserlachen. Diese Gewässer sind arm an Fressfeinden und bieten Kreuzkröte und Co. deshalb ideale Fortpflanzungsbedingungen. Für die auf Zollverein lebenden, nachtaktiven Kreuzkröten wurde 2015 wegen Sanierungsarbeiten ein Ersatzlebensraum in der Nähe der Halde geschaffen, der den Ansprüchen dieser Pionierart gerecht wird.

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 6: Bergehalde

Bergehalden prägen das Erscheinungsbild des Ruhrgebiets. Sie bestehen aus taubem Gestein, auch Berge genannt, das beim Abbau der Steinkohle anfällt.

Durch den Restkohlegehalt und die Sauerstoffzufuhr über Tage entzündeten sich Spitzkegelhalden häufig selbst. Brennende Halden waren die Folge. Deshalb ging man dazu über, den Boden zu verdichten und die Halden terrassenförmig anzulegen. Die harten Konturen dieser Tafelberge ernteten jedoch Kritik. So entstanden als dritte Haldengeneration die Landschaftsbauwerke, die sich harmonisch in die Umgebung einfügen.

Der Boden der Halden ist nährstoffarm. Durch die bei der Verwitterung des Gesteins entstehende Schwefelsäure versauert das Bodenmaterial an der Oberfläche schnell. Die hier siedelnden Pflanzenarten sind Rohbodenspezialisten: Vor allem Birken, Robinien und Weiden können an diesem Extremstandort überleben.

Eine der ältesten Halden des Ruhrgebiets findet sich auf Zollverein Schacht 1/2/8: die Spitzkegelhalde „Zollverein 1/2“. Mit ihren steilen Hängen zählt sie zur ersten Haldengeneration. Zwischen Zeche und Kokerei entstand später eine zweite Halde, die sehr flach und heute für Besucher zugänglich ist.

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© Esther Guderley
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 7: Färbergarten Zollverein

Alle Farben hält die Natur auf dem Welterbe Zollverein bereit: grüne Farnwedel, gelbe Goldruten, roten Klatschmohn, blaue Holunderbeeren.

Im „Färbergarten Zollverein“ rund um das ehemalige Stellwerk wachsen 24 Färberpflanzen, aus deren Blüten, Blättern, Früchten, Wurzeln oder Rinden Farben gewonnen werden können. Traditionelle Färberpflanzen wie Waid, Krapp und Saflor kommen ebenso vor wie solche, die sich von selbst zwischen den stillgelegten Gleisen und auf den Halden angesiedelt haben, zum Beispiel Malve, Johanniskraut und Holunder.

Das Herstellen von Pflanzenfarben knüpft an handwerkliche Traditionen an, die Menschen aus allen Kulturkreisen schon seit Jahrtausenden beherrschen. Mit der Entwicklung der Kohlechemie Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmalig synthetische Farben hergestellt und die Kunst der Farbherstellung aus Pflanzen geriet nahezu in Vergessenheit. Im „Färbergarten Zollverein“ soll dieses Wissen wieder aufblühen. Das Ruhr Museum ist durch den Färbergarten ein Kooperationspartner der global agierenden Netzwerkinitiative sevengardens.

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Jochen Tack / Stiftung Zollverein
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© sevengardens
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© Rainer Rothenberg / Ruhr Museum
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© Jochen Tack / Stiftung Zollverein
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 8: Insekten

Im Sommer ist Zollverein ein Paradies für Tag- und Nachtfalter, Libellen, Käfer, Heuschrecken, Wanzen, Schwebfliegen und Wildbienen. Sie dienen vielen Arten als Beutetiere, sind die wichtigsten Bestäuber für viele Pflanzen und bilden daher in ihrer Gesamtheit die Basis des Ökosystems.

Mit ihren langen Rüsseln trinken Schmetterlingsarten wie der Faulbaum-Bläuling vom Nektar der Blütenpflanzen auf dem Welterbe-Gelände. Mit ihren bunten Mustern und ihrer merkwürdig gaukelnden Flugweise erfreuen diese friedlichen Insekten Kinder wie Erwachsene. Auffällig sind die räuberischen Libellen, die sich immer in Wassernähe aufhalten und auf Beute lauern. 20 Arten der „fliegenden Edelsteine“, darunter die kleine Pechlibelle, wurden auf Zollverein bereits gesichtet.

Lange Zeit galten die Blauflügeligen Sand- und Ödlandschrecken in NRW als nahezu ausgestorben. Industriebrachen wie Zollverein sind den natürlichen Lebensräumen der Tiere, sandgeprägten Offenlandbereichen, sehr ähnlich. Deshalb siedeln sie sich auf solchen Brachen häufig dauerhaft an. Wenn sie springen, erkennt man ihre blau schimmernden Flügel.

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum

Station 9: Fledermäuse

Auf Industriebrachen fühlen sich Fledermäuse richtig wohl. Durch die artenreichen Vegetationsbestände finden sich hier viele Insekten, die von verschiedenen Fledermausarten gejagt werden.

Während die Fledermäuse tagsüber in Verstecken in den alten Industriegebäuden ruhen, jagen sie nachts entlang der Gehölzränder oder über den Wasserflächen.

Die artspezifischen Ultraschalllaute, die als Jagd- und Ortungsrufe von den Fledermäusen ausgestoßen werden, können über Fledermausdetektoren in Nachtwanderungen hörbar gemacht werden. Während die ziehenden Fledermausarten Großer Abendsegler und Rauhautfledermaus nur im Frühjahr auf Zollverein zu finden sind, nutzen Zwergfledermäuse das Gebiet ganzjährig. Besonders gut lassen sich die kleinen Fledermäuse bei der Jagd nach Insekten an den Straßenlaternen beobachten.

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© Ewald Thies
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Zwergfledermaus-Paar © Marcel Eckardt / BSWR

Station 10: Gebüsch und Vorwald

Folgt man der Ringpromenade, führt einen der Weg hinter die Kokerei Zollverein. Entlang der stillgelegten Gleise flaniert man dort durch lichten Bewuchs aus Schmetterlingsfliedersträuchern und lockere Vorwaldvegetation aus Pappeln, Birken und jungen Erlen.

In den frühen Morgenstunden im Frühling kann man hier neben typischen Vogelarten des Siedlungsraums auch den Gesang von Stieglitz und Klappergrasmücke hören. In warmen Sommernächten weckt das Zirpen der Weinhähnchen Mittelmeergefühle.

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© Frank Derer / NABU

Station 11: Bienen und Bienenstock

Die industriell vorgenutzten Flächen des Ruhrgebiets sind wie geschaffen als Bienenheimat. Ihre vielen Blütenpflanzen bieten den Bienen Pollen und Nektar. Da diese Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden, sind hier keine Pestizide zu finden.

Bei den Bienen unterscheidet man Wild- und Honigbienen. Etwa 500 Wildbienenarten leben in Deutschland, von denen die Hälfte besonderen Schutz braucht. Das große Wildbienenhotel an der NABU-Regionalstelle Ruhrgebiet bietet ihnen die Möglichkeit, ihren Nachwuchs großzuziehen, und trägt dadurch zum Erhalt der Arten bei.

Die Honigbiene hingegen benötigt eine größere Behausung für das ganze Volk. Auf dem Dach ihrer Unternehmenszentrale hat die RAG Montan Immobilien seit März 2013 vier eigene Bienenvölker. Sie produzieren den „Honig vom Welterbe“, dessen Erlös in einen zweckgebundenen Fonds zum Schutz der Bienen fließt.

Als eine der größten Flächeneigentümerinnen in der Region vermittelt die RAG Montan Immobilien in Kooperation mit dem NABU NRW ehemalige Bergbauflächen als Bienenstandorte an Jung- und Hobbyimker. Die Bienenstöcke können bei Führungen im Rahmen ausgewählter Veranstaltungen oder nach Absprache besichtigt werden.

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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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© Esther Guderley / Ruhr Museum
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Parasiten_auf_Hummel. © Michael Schoch / NABU NRW
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© Oliver Häckel

Station 12: Gebäudenutzer

Ungenutzte Gebäude auf dem Areal der Zeche und der Kokerei stellen für bestimmte Tiere und Pflanzen einen temporären Sekundärlebensraum dar.

Dazu zählen neben Insekten und Mäusen auch Fledermäuse, einige Eulenarten und Greifvögel wie zum Beispiel der Wander- oder Turmfalke. Hinzu kommen viele Flechten, Moose und Farne, die man zu den unterschiedlichsten Jahreszeiten hier vorfinden kann. Eine Besonderheit auf Zollverein sind die vielen Hausrotschwänze, die in den zahlreichen Nischen nicht genutzter Kokerei-Gebäude brüten.

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© Hans Pollin / NABU
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© Jochen Tack / Stiftung Zollverein

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