Inhalt

Sie sind hier:

Home / Zollverein gestern und heute / Welterbe

Das UNESCO-Welterbe Zollverein

Vom Steinkohlenbergwerk zum Welterbe

Die „schönste Zeche der Welt“: Wahrzeichen des Ruhrgebiets, Monument der Industriekultur und
Symbol für den Wandel der einst größten Steinkohlenzeche Europas in einen attraktiven Standort
für Kultur und Freizeit, Bildung und Wirtschaft

ESSEN. Eine Kohlenzeche als UNESCO-Welterbe? Viele staunten nicht schlecht, als die Essener Zeche und Kokerei Zollverein am 14. Dezember 2001 offiziell als „Industriekomplex Zeche Zollverein“ in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden. Seitdem ist das Industriedenkmal Zollverein mit rund 1,5 Mio. Besuchern jährlich (2011–2016) größte Touristenattraktion der Region, erste und bislang einzige Welterbestätte im Ruhrgebiet und steht in einer Reihe mit dem Kölner Dom und dem Schiefen Turm von Pisa. In der Begründung des „World Heritage Committee“ der UNESCO hieß es unter anderem: „Der Bergbaukomplex Zeche Zollverein ist ein außerordentliches Kulturdenkmal dank der Tatsache, dass seine Gebäude herausragende Beispiele für die Anwendung von Gestaltungskonzepten der architektonischen Moderne auf einen ganzen industriellen Komplex sind.“

Noch heute besticht die symmetrische Anordnung der Gebäude auf zwei Blickachsen. Die 20 Einzelgebäude bilden die technischen Arbeits- und Produktionsabläufe der Kohleförderung nach dem
Bauhaus-Prinzip „form follows function“ ab. Durchgestaltet bis in die Details der Lampen, Treppengeländer und Türgriffe ist der komplett erhaltene Komplex ein Gesamtkunstwerk und repräsentiert exemplarisch die soziale, ökonomische, ästhetische und industrielle Geschichte des Kohle- und Stahlzeitalters.

Seit mehr als 25 Jahren ist das Ruhrgebiet Vorreiter in der Nachnutzung großer Industrieareale. Zeche und Kokerei Zollverein sind Leuchtturm dieses Umwandlungsprozesses. Mit dem Europäischen Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 und der Eröffnung des Ruhr Museums sowie des RUHR.VISITORCENTER Essen in der umgebauten Kohlenwäsche war die Erschließung von Schacht XII als touristisches Zentrum im Wesentlichen abgeschlossen.

Seit 2011 treibt die Stiftung Zollverein unter dem Arbeitstitel ZOLLVEREIN 2020! federführend die Entwicklung der Kokerei Zollverein voran und unterstützt ihre Partner, die RAG Montan Immobilien GmbH und NRW.URBAN bei der Weiterentwicklung des Areals in einen integrierten Kultur- und Wirtschaftsstandort.

Var_01_first
© Foto Jochen Tack

Künftige Entwicklung: ZOLLVEREIN 2020!

In den kommenden Jahren wird das insgesamt mehr als 100 Hektar große Welterbe-Gelände unter dem Stichtwort ZOLLVEREIN 2020! kontinuierlich weiterentwickelt. 2014 fiel der Startschuss für zwei neue Großprojekte im Quartier Schacht 1/2/8: Bis Sommer 2017 entsteht auf dem ehemaligen Materiallagerplatz der Neubau für den Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste, der das bereits von der Hochschule genutzte SANAA-Gebäude ergänzt. Außerdem soll ein Hotelneubau errichtet werden.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Zollverein ist der Neubau des Verwaltungssitzes von RAG-Stiftung und RAG Aktiengesellschaft mit rund 220 Büroarbeitsplätzen auf dem Kokerei-Areal in direkter Nachbarschaft zu der bereits seit 2012 dort ansässigen RAG-Tochter, der RAG Montan Immobilien GmbH. Im Mai 2016 wurde der Grundstein für das Neubauprojekt gelegt, das sich durch modernste Nachhalltigkeitsstandards auszeichnet. Im Herbst 2017 soll der Bau bezugsfertig sein. Bauform und Fassade fügen sich sensibel in das denkmalgeschützte Ensemble des Welterbes ein.

Auch für die zünftige Ausgestaltung des Areals als Eventlocation wird ein neuer Meilenstein gesetzt. Mit der neuen Grand Hall ZOLLVEREIN® in der ehemaligen Sauger- und Kompressorenhalle auf der Kokerei ist eine hochmoderne Special Event Location entstanden, die seit Anfang 2017 auf 3.500 Quadratmetern Veranstaltungsfläche Kapazitäten für bis zu 2.500 Personen bietet.

Grundlage für den Ausbau des Areals in einen Wirtschafts- und Bildungsstandort ist der Masterplan von Rem Koolhaas aus dem Jahr 2002. Demnach bleibt die einzigartige Industriearchitektur des UNESCOWelterbes im Spannungsfeld zwischen denkmalgeschützten vorhandenen Strukturen und neuen Ideen erhalten und wird gleichzeitig für die vielseitigen Anforderungen von Neunutzungen ertüchtigt.

Var_01_first
© Stiftung Zollverein

Denkmalpfad Zollverein

Zentrale touristische Attraktion des Industriedenkmals ist der Denkmalpfad ZOLLVEREIN®, die gigantischen im Originalzustand erhaltenen Übertageanlagen der Zeche und Kokerei Zollverein. Rund 160.000 Besucher nahmen im Jahr 2016 das umfangreiche Führungsangebot wahr. Zum Vergleich:1992 waren es noch 5.000 Besucher. 110 ausgebildete Guides stehen für Führungen in acht Sprachen und 36 verschiedene Führungsformate zur Verfügung. Parallel zur Sanierung der spektakulären Wege, Hallen und Maschinen auf der Kokerei Zollverein erarbeitet die Stiftung Zollverein aktuell ein innovatives Vermittlungskonzept: Der neue Denkmalpfad ZOLLVEREIN® auf der Kokerei wird sich über die gesamte „schwarze Seite“ der Anlage erstrecken

Var_01_first
© Sandra Klama / Stiftung Zollverein

Ruhr Museum

Das Ruhr Museum, das zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 in der ehemaligen Kohlenwäsche eröffnete, konnte bereits im Jahr 2013 den millionsten Besucher begrüßen. Es zeigt auf drei Ebenen des spektakulären Gebäudes in den Kategorien Gegenwart, Gedächtnis, Geschichte die ereignisreiche Vergangenheit des Ruhrgebiets. Neben der Dauerausstellung „Natur, Kultur und Geschichte des Ruhrgebiets“ lockte es zuletzt mit Sonderausstellungen wie den erfolgreichen Publikumsschauen „1914 – Mitten in Europa“ (eine Gemeinschaftsausstellung von Ruhr Museum und LVR-Industriemuseum) und „Rock und Pop im Pott“ Besucher aus der ganzen Welt nach Essen. 2017 präsentiert die Sonderausstellung „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“ die Entwicklung der Religionen und Konfessionen an Rhein und Ruhr vom Spätmittelalter bis heute. Von April bis Oktober 2018 zeigt das Ruhr Museum die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ und im Herbst 2018 eine große Schau mit Fotografien von Albert Renger-Patzsch.

Var_01_first
© Thomas Willemsen / Stiftung Zollverein

Red Dot Design Museum

Mit rund 2.000 Exponaten aus etwa 45 Nationen präsentiert das Red Dot Design Museum Essen die weltweit größte Ausstellung zeitgenössischen Designs. Innovative und formschön gestaltete Alltagsgegenstände bringen den Besuchern kulturelle oder länderspezifische Besonderheiten näher, informieren sie über aktuelle Trends und zeigen, wie Design sich im Laufe der Jahre verändert hat. Verschiedene Sonderausstellungen ergänzen die ständige Schau des Red Dot Design Museums.

Var_01_first
© Red Dot Design Museum

RUHR.VISITORCENTER Essen und Portal der Industriekultur

Erste Anlaufstelle für alle Besucher des Welterbes Zollverein und Startpunkt vieler Führungen ist das RUHR.VISITORCENTER Essen in der ehemaligen Kohlenwäsche. Neben Tickets für alle Angebote auf dem Welterbe Zollverein und im Ruhrgebiet erhalten Besucher dort umfangreiche Informationen über das Zollverein-Gelände und weitere industriekulturelle Highlights in der Region. Das Portal der Industriekultur präsentiert das industriekulturelle Panorama des Ruhrgebiets und Nordrhein-Westfalens. Multimediale Inszenierungen und innovative Informationsstationen zeigen 18 Ankerpunkte der Route der Industriekultur: ehemalige Standorte der Schwerindustrie, die heute unter anderem als Museen, Veranstaltungshallen, Freizeit- oder Gewerbeimmobilien genutzt werden. Der Panaromafilm RUHR 360° bietet eine bewegende Einführung in das Ruhrgebiet. Von der Aussichtsplattform auf dem Dach der Kohlenwäsche können Besucher einen Blick in alle Himmelsrichtungen genießen.

Var_01_first
© Jochen Tack / Stiftung Zollverein

Kultur und Freizeit

Auf dem Areal sind namhafte Künstler mit Arbeiten und Ateliers vertreten: u. a. Ulrich Rückriem, Maria Nordman mit LA PRIMAVERA, das Werksschwimmbad der Frankfurter Künstler Daniel Milhonic und Dirk Paschke, der Palace of Projects von Ilya und Emilia Kabakov oder die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe unter Leitung von Young-Jae Lee. Zahlreiche Sonderausstellungen, die ZOLLVEREIN® Konzerte sowie Tanz- und Performance-Aufführungen ergänzen das Angebot an zeitgenössischen Kunstproduktionen auf dem Welterbe Zollverein. Zweimal im Jahr setzt die Kunstmesse contemporary art ruhr (C.A.R.) neue Impulse in der Kunstlandschaft. Das internationale Kulturfestival Ruhrtriennale bringt spektakuläre Kulturerlebnisse, inspirierende Uraufführungen und Neuinszenierungen internationaler Künstler auf das Welterbe, in diesem Jahr vom 18. August bis zum 30. September 2017. Neben der jährlichen ExtraSchicht (24. Juni 2017) ist auch die jährliche Gourmet Meile Metropole Ruhr (24. bis 27. August 2017) ein Besuchermagnet. Im Zollverein Park können Besucher und Anwohner sportlich aktiv werden oder sich erholen. Wo früher Gestein als Abfallprodukt der Kohleförderung gelagert wurde, hat sich die Natur ihr Terrain erobert. Eine 3,5 Kilometer lange Ringpromenade, die das gesamte Welterbe-Gelände umschließt, wird von Radfahrern, Fußgängern und Joggern gleichermaßen genutzt. An zentralen Punkten auf dem Gelände bieten Aussichtsplattformen und barrierefreie 3D-Modelle Übersicht und Orientierung. Besondere saisonale Angebote sind neben dem Werksschwimmbad auch das gemeinsame Kinder Ferienprogramm von Denkmalpfad ZOLLVEREIN® und Ruhr Museums in den NRW-Sommerferien und im Winter die ZOLLVEREIN® Eisbahn (9. Dezember 2017 bis 7. Januar 2018).

Var_01_first
© Jochen Tack / Stiftung Zollverein

Grüne Hauptstadt Europa – Essen 2017

Im Jahr 2017 ist die Stadt Essen „Grüne Hauptstadt Europas“. Diese Auszeichnung wird das ganze Jahr über mit Aktionen und Veranstaltungen gefeiert, Hauptspielorte sind das Welterbe Zollverein, der Baldeneysee und der Gruga-Park. Auf Zollverein ist ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Führungen und Veranstaltungen geplant. Außerdem präsentieren das Ruhr Museum und die Stiftung Zollverein vom 21. Mai bis 27. August 2017 die zentrale Ausstellung „Grün in der Stadt Essen. Mehr als Parks und Gärten“, die den Wandel der Stadt Essen von einem einst grünen Landstrich in eine Industriestadt und in eine heute erneut „grüne“ Stadt thematisiert.

Var_01_first
© Stiftung Zollverein / Thomas Hintze Fotografie

Imposante Location für Events

Das UNESCO-Welterbe Zollverein verfügt über eindrucksvolle Räume für außergewöhnliche Events. Das Gebäude-Ensemble der stillgelegten Zeche und Kokerei mit insgesamt 18.000 Quadratmetern Veranstaltungsfläche bietet flexible Lösungen für alle Arten von Events wie Kongresse, Tagungen, Firmenevents, Produktpräsentationen oder private Feiern. Auf dem 100 Hektar großen Gelände stehen vom kleinen Studio mit Konferenztechnik bis hin zur großen Messe- und Ausstellungshalle mehr als 40 Räume und Gebäude zur Verfügung. Seit Anfang 2017 ergänzt die neu eröffnete Grand Hall ZOLLVEREIN® in der ehemaligen Sauger- und Kompressorenhalle auf der Kokerei Zollverein das Angebot. Die hochmoderne Special Event Location bietet 4.000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und eine Kapazität von bis zu 2.500 Personen. Das Welterbe Zollverein wurde mehrfach mit dem Conga Award als „Beste Eventlocation Deutschlands“ ausgezeichnet. Zuletzt erhielten das SANAAGebäude und das Oktogon den begehrten Location Award als beste Veranstaltungslocation 2014.

Var_01_first
© Matthias Duschner / Stiftung Zollverein

Die Stiftung Zollverein

Die gemeinnützige Stiftung Zollverein wurde 1998 von der Stadt Essen und dem Land NordrheinWestfalen gegründet, Zustifter ist der Landschaftsverband Rheinland. Neben der Förderung von Kultur und Denkmalpflege hat die Stiftung die zentrale Aufgabe, die Bestandsgebäude und Anlagen des UNESCO-Welterbes Zeche und Kokerei denkmalgerecht zu erhalten, zu sichern und für eine künftige Nutzung zu entwickeln.

Var_01_first
© Jochen Tack / Stiftung Zollverein

Unterstützer und Förderer