John Cale
Dyddiau Du – Dunkle Tage
Konzert in einem autobiographischen Erinnerungsraum
In Dyddiau Du, das John Cale 2009 für die Biennale Venedig entwickelte, wendet sich der Experimentalmusiker dem Film zu. Der Ex-Velvet Underground-Bassist begibt sich auf den Spuren seiner Kindheit zurück ins walisische Bergarbeiterdorf Garnat, wo er als Sohn eines zugewanderten englischen Arbeiters aufwuchs. Begegnungen mit seiner verlorenen Heimat schweben nun als Großprojektionen im Salzlager auf Zollverein: Fabrikruinen, verlassene Wohnungen, zerstörte Landschaften, Erinnerungen an ein lange vergessen geglaubtes Leben scheinen auf. Auf dem ehemaligen Essener Industrieareal spielt John Cale zusammen mit seiner Band erstmalig live den Soundtrack zu diesen Erinnerungsbrocken. Ein elektronisch verfremdeter Bergmannschor und ein Schulorchester vom Band verweben sich organisch mit der Klangwelt des experimentellen Musikers. Das Spiel mit den leisen Tönen gelingt ihm genauso souverän wie die Geste des Rockstars. Fast selbstverständlich ergänzen sich die Bilder und Klange seiner Waliser Heimat mit der lokalen Geschichte Essens.
Preise und Zeiten:
9. Juli 2010, 20.00 Uhr (Weltpremiere) und 10. Juli 2010, 20.00 Uhr
Dauer: 60 Minuten
Eintritt: 30 Euro/ermäßigt 15 Euro
Ort der Veranstaltung:
Salzlager, Kokerei Zollverein [C88], Arendhals Wiese
Konzept / Regie / Musik :John Cale
Kamera: Bevis Bowden
Live Musik: John Cale und Band
Produktion: Ein Auftragswerk des Arts Council Wales für die 53. Biennale Venedig
Die Bearbeitung für Theater der Welt 2010 wird produziert von Nita Scott / Artists Rights Management und Theater der Welt 2010
Präsentation: Stiftung Zollverein, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung des British Council
Kris Verdonck
K. - Rundgang durch eine kafkaeske Welt
In der Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein nimmt uns K. mit auf einen Rundgang. Motive und Situationen, inspiriert vom Werk Franz Kafkas, werden lebendig. Cyborgartige Menschen, die Befehle über Kopfhörer erhalten, führen uns durch diese Welt aus dysfunktionalen Maschinen und Projektionen, vorbei an der postindustriellen Geschichte des Ortes. Warum klammert sich der ertrinkende Geschäftsmann so hartnäckig an seine Aktentasche? Welche Geheimnisse verbergen die flüsternden Portraits, die uns von den Wänden entgegen starren? Das Herzstück von Kris Verdoncks Arbeit bilden die verworrenen Beziehungen zwischen Mensch, Konsum und Technik. Seit Beginn der Moderne strukturieren und vereinfachen Maschinen und Apparate unser Leben, sind aber zugleich oft unverständlich, schüren sogar Ängste. K. lost diesen Widerspruch nicht auf, sondern rückt ihn ins Zentrum des menschlichen Lebens. Nachts weitet sich seine Welt in einer Großprojektion auf dem Kennedyplatz in der Essener Innenstadt aus: Der schlafende Industriegigant auf Zollverein und die Einkaufsstadt werden kurzgeschlossen.
Preise und Zeiten:
14. Juli 2010, 18.00 Uhr (Weltpremiere)
14. Juli 2010, 19.45 Uhr, 21.30 Uhr
15. Juli 2010, 18.00 Uhr, 19.45 Uhr und 21.30 Uhr
16. Juli 2010, 18.00 Uhr, 19.45 Uhr und 21.30 Uhr
17. Juli 2010, 15.00 Uhr, 16.45 Uhr, 18.30 Uhr und 20.15 Uhr
Dauer: 70 Minuten
Eintritt: 18 Euro/ermäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
Mischanlage, Kokerei Zollverein [C70], Arendahls Wiese
Konzept / Regie: Kris Verdonck, A Two Dogs Company
Dramaturgie: Marianne Van Kerkhoven
Sprache: Deutsch
Produktion: Stillab, Koproduktion Kaaitheater, Le Manege Mons, Kunstencentrum Vooruit, Productiehuis Rotterdamse Schouwburg, Schauspiel Essen, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung von INTERREG, Transdigital, Vlaamse Overheid, Vlaamse Gemeenschapscomissie, Brussels Hoofdstedelijk Gewest
Präsentation: Stiftung Zollverein, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung von Ministerie van de Vlaamse Overheid, Brüssel
Dmitry Krymov
Opus No. 7 - Musik- und Materialtheater in zwei Bildern
Im Salzlager, dem größten Gebäude auf dem Zollverein-Areal, zeigt Dmitry Krymov Opus No. 7, eine rauschhafte Mischung aus Schauspiel, Musik, Sprache und Bildern. Der erste Teil des Doppelabends, Genealogie, nähert sich behutsam dem Holocaust in Osteuropa. Sänger werden zu Schauspielern und zu Malern, tragen Minuten später weiße Flachen durch den endlosen Raum, auf die die Gesichter der Ermordeten projiziert werden. An die Wand gemalte Bilder orthodoxer Juden verwandeln sich in Papier und Rauch speiende Schlote. Anklänge an ein Requiem fliegen durch die verlassene Lagerhalle, um sich in fassungslos gestotterten Gesang aufzulösen. Im zweiten Teil des Abends stehen Dmitri Schostakowitsch und sein zwiespältiges Verhältnis zum Staat im Mittelpunkt. Eine riesige Marionette trägt den russischen Komponisten auf die Bühne und lässt ihn nicht mehr aus den Augen. Der unfreiwillige Superstar der roten Sowjeteliten erlebt eine lebensbedrohliche Achterbahnfahrt in den Armen von Mütterchen Russland. Dmitry Krymov ist Maler, Grafikdesigner, Bühnenbildner und Regisseur. Opus No. 7 entstand in seinem Labor an der von Anatoli Vasiliev gegründeten Russischen Theaterakademie.
Preise und Zeiten:
15. Juli 2010, 20.00 Uhr (Deutschlandpremiere)
16. Juli 2010, 20.00 Uhr
17. Juli 2010, 20.00 Uhr
Dauer: 150 Minuten, eine Pause
Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 10 Euro
Ort der Veranstaltung:
Salzlager, Kokerei Zollverein [C88], Arendhals Wiese
Sprache: Russisch mit deutschen Übertiteln
Konzept / Musik / Regie: Dmitry Krymov
Text: Leo Rubinstein
Musik: Alexander Bakshi
Bühne / Kostüme: Vera Martynova, Maria Tregubova
Puppen: Victor Platonov
Mit Ana Sinyakina, Natalia Gorchakova, Maxim Maminov, Sergey Melkonyan, Mikhail Umanets, Arkadiy Kirichenko, Varvara Voetskova, Mariua Gulik'
Produktion: Moscow Theatre „School of Dramatic Art“
Koproduktion: Territoria Festival Moskau
Präsentation: Stiftung Zollverein, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung des Russischen Kulturministeriums
Romeo Castellucci
On the Concept of the Face, regarding the Son of God, Vol. 1
Wollen versus Glauben
„Ich kenne mehr als tausend Maler, die die Hälfte ihres Lebens damit verbracht haben, das unaussprechliche, fast unsichtbare Leiden seiner Lippen zu reproduzieren. Jetzt ist er nicht mehr da.“ Romeo Castelluccis Arbeit in Essen ist der erste Baustein von J, einer „Begegnung mit Jesus in seiner vollständigen Abwesenheit“. Der italienische Regisseur hat kein Interesse daran, Religion zu hinterfragen oder Moral zu postulieren, er möchte Jesus wieder ins Gesicht schauen und genau das wird er tun. Gemeinsam mit Claudia Castellucci und Chiara Guidi gründete Romeo Castellucci 1981 in Cesena, in der Nähe von Rimini, die Socìetas Raffaello Sanzio, benannt nach dem italienischen Renaissancemaler. Ihr Nuovo Teatro (dt. Neues Theater) kommt nahezu ohne Dialoge aus und besticht durch seine radikale Bild- und Klanggewalt. Castellucci zählt zu den stilbildenden Theatermachern Europas und war bei Festivals von Tokio bis Buenos Aires zu Gast.
Preise und Zeiten:
15. Juli 2010, 22.00 Uhr (Weltpremiere)
16. Juli 2010, 22.00 Uhr
17. Juli 2010, 22.00 Uhr
Dauer: 30 Minuten
Eintritt: 20 Euro/ermäßigt 10 Euro
Ort der Veranstaltung:
Halle 5, Schacht XII [A5], Gelsenkirchener Str.
Konzept / Regie: Romeo Castellucci
Musik: Scott Gibbons
Produktion: Socíetas Raffaello Sanzio
Koproduktion: Theater der Welt 2010
Präsentation: Stiftung Zollverein, Theater der Welt 2010
Verdensteatret
And all the Questionmarks started to sing
Kompositionen für Apparate und Menschen
Die Spieler von Verdensteatret (dt. Welttheater) und ihre mechanischen Apparate, zärtliche Wesen, produzieren Welten aus Musik, Bildern, Geschichten. Die Bruchstücke – Maschinenmanipulationen, Bewegungen, Licht- und Schattentheater – verschmelzen zu atmosphärischen Bildern und zersplittern wieder. Punktgenaue Konzentration und Überforderung gehen Hand in Hand. Aus der Maschine für trübes Wetter ziehen Projektionen über die Wände, die durch mehrere Linsen gedreht und verzerrt werden. Die Witwenmaschine surrt leise dazu. Verdensteatret erwecken die Schönheit des Schrotts und die Romantik des Materials durch komplexe Programmierungen zum Leben. Sie basteln genauso souverän und verspielt mit den alten, wie mit den neuen Technologien, nehmen sich Zeit für den Lauf der Dinge. Die norwegischen Maschinenkünstler betonen das lückenhafte, ungenaue Wesen der Wahrnehmung. And all the Questionmarks started to sing ist keine abgeschlossene Welt, sie wird in jedem Moment neu geschaffen. Sehen wir alle dasselbe oder jeder nur sein eigenes Verdensteatret?
Von und mit Asle Nilsen, Lisbeth J. Bodd, Hakon Lindback, Piotr Pajchel, Christian Blom, Kristine Roald Sandoy, Hai Nguyen Dinh, Ali Djabbary, Oyvind B. Lyse, Gjertrud Jynge, Espen Sommer Eide, Thorolf Thuestad, Elisabeth Gmeiner, Janne Kruse, Jannicke Lie, Hans Skogen
Preise und Zeiten:
8. Juli 2010, 20.00 Uhr (Deutschlandpremiere)
9. Juli 2010, 20.00 Uhr
11. Juli 2010, 16.00 Uhr
Dauer: 60 Minuten
Eintritt: 18 Euro/ermäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
PACT Zollverein, Waschkaue, Schacht 1/2/8 [B45], Bullmannaue 19
Produktion: Verdensteatret
Koproduktion: Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung des Arts Council Norway
Präsentation: PACT Zollverein, Theater der Welt 2010
Ery Mefri
Sarikaik – Gemeinschaft
Körper, die gestern von heute sprechen
Ery Mefri verbrachte seine Kindheit zu großen Teilen bei den Proben der Randai-Gruppe seines Vaters, mit der dieser durch seine Heimat reiste. Die bäuerliche Tanzform, integraler Bestandteil bei politischen, religiösen und weltlichen Zeremonien, entwickelte sich aus der Kunst der Selbstverteidigung. Die hochpräzisen Kampfbewegungen und gutturalen Klänge des Randai-Gesangs lehnen sich an den Rhythmus und die Tonfolgen des Dialekts von West-Sumatra an. Die Körper der Darsteller beginnen, als Ganzes zu sprechen, die Unterschiede zwischen Sänger, Tänzer und Musiker verschwimmen. In Sarikaik beleuchtet Ery Mefri den Widerspruch zwischen dem Gemeinschaft stiftenden Ritus und der fortschreitenden Individualisierung, in der jeder selbst für sein Glück zuständig ist. Seine Nan Jombang Dance Company – zum ersten Mal zu Gast in Europa – singt keinen Abgesang auf die gute alte Zeit. Sie begreifen Veränderungen als wesentlichen Teil ihrer lokalen Geschichte. Traditionsbewusstsein war schon immer Zeitgenossenschaft.
Mit Angga Mefri, Rio Mefri, Geby Mefri, Intan Mefri, Ririn Mefri, Hasanawi
Lichtdesign Tria Vita Hendra Djaja
Preise und Zeiten:
9. Juli 2010, 22.00 Uhr (Europapremiere)
10. Juli 2010, 20.00 Uhr
11. Juli 2010, 18.00 Uhr
Dauer: 60 Minuten
Eintritt: 18 Euro/ermäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
PACT Zollverein, Waschkaue, Schacht 1/2/8 [B45], Bullmannaue 19
Choreographie / Musik: Ery Mefri
Produktion: Nan Jombang Dance Company Padang
Präsentation: PACT Zollverein, Theater der Welt 2010
Beatriz Catani
Insomnio – Schlaflosigkeit
Tragikomische Nachtwache
Insomnio dauert so lange wie das Leben oder Sterben einer Kakerlake, nachdem sie zertreten wurde. Am Ende der Nacht stirbt sie nicht an ihren Verletzungen, sondern verdurstet einfach so. Vier Darsteller, die ihr mit uns zusammen dabei zuschauen, beginnen die sterbende, organische Masse gedanklich zu sezieren und können bald nicht mehr schlafen. Sie verstricken sich in widersprüchliche Überlegungen und Charaktere, schlafwandeln durch herzzerreißende Romanzen oder sprechen – völlig verrotzt vom Heulen – nur noch im Futur, weil ja in Zukunft alles besser wird. „Nur die Kakerlake kümmert sich nicht um sich, sondern ums Leben“ wird zum Leitmotiv des passiven Widerstands: Weitermachen! Von den schönsten Enden der Filmgeschichte bis zum tödlichen Schweigen des argentinischen Peronismus spannen sich die Assoziationen der vielfach ausgezeichneten Regisseurin Beatriz Catani - ohne festen Ablauf, ohne Kostümwechsel, ohne viel Tam-Tam. Wir verbringen ein verzauberndes Stück Lebenszeit mit Beatriz Catani und ihren Nachtgestalten, die uns das Angebot machen, über Leben und Tod nachzufühlen. In den Pausen essen wir gemeinsam, und wenn die Sonne aufgeht, wird auch diese schlaflose Nacht vorüber sein.
Mit Magdalena Arau, Julieta Ranno, María Amelia Pena, Matías Vértiz, Germán Retola, Juan Manuel Unzaga, Sonia StelmanN
Preise und Zeiten:
15. Juli 2010, 23.00 Uhr
16. Juli 2010, 23.00 Uhr
Dauer: 6 Stunden, 30 Minuten, 3 Pausen
Eintritt:18 Euro/érmäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
PACT Zollverein, Waschkaue, Schacht 1/2/8 [B45], Bullmannaue 19
Sprache: Spanisch mit deutschen Übertiteln
Text / Regie: Beatriz Catani
Mit freundlicher Unterstützung des Instituto Nacional del Teatro Argentinien
Koproduziert von TACEC (Teatro Argentino Centro de Experimentación y Creación), Uraufführung am 7. November 2009
Präsentation: Theater an der Ruhr, PACT Zollverein, Theater der Welt 2010
Berlin
Moscow
Video-Stadtportrait
Das Künstlerkollektiv Berlin hat ein Zelt aus roter Plastikplane aufgebaut: Ist Moskau ein Zirkus? Alles dreht sich um diese Frage und um die Stadt der Millionäre, den fernen Sehnsuchtsort der europäischen Melancholie. Auf sechs Leinwänden gleiten Interviews mit Menschen vorbei, die in der russischen Metropole leben und arbeiten. Artisten springen von Leinwand zu Leinwand, während der Kreml und die Prachtboulevards in der klaren Wintersonne glitzern. Ein junges Ehepaar kritisiert Putins Familienpolitik. Auf einer Millionärsmesse baden Frauen in Hundert-Dollar-Scheinen. Traurige Reste von Militärparaden und zerschlagene Hoffnungen – an jeder Ecke lauert die Geschichte. Ein Streichquartett und ein Pianist begleiten live den Reigen der Bilder. Aufdringliches und Verborgenes, manchmal kaum Hörbares verschmelzen zu einem Mosaik aus widersprüchlichen Wahrheiten. Die belgischen Medienkünstler Berlin nehmen ihre Kindheitserinnerungen an den gastierenden Moskauer Staatszirkus zum Ausgangspunkt ihres Stadtportraits. Neben Moscow präsentieren sie bei Theater der Welt die Weltpremiere ihrer Produktion Tagfish.
Preise und Zeiten:
13. Juli 2010, 20.00 Uhr (Deutschlandpremiere)
15. Juli 2010, 20.00 Uhr
16. Juli 2010, 18.00 Uhr
Dauer: 75 Minuten
Eintritt: 18 Euro/ermäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
PACT Zollverein, Waschkaue, Schacht 1/2/8 [B45], Bullmannaue 19
Sprache: Russisch und Englisch mit deutschen und englischen Übertiteln
Konzept / Produktion: Berlin (Bart Baele, Yves Degryse, Caroline Rochlitz)
Video: Bart Baele, Luk Sponselee
Interviews: Yves Degryse, Caroline Rochlitz
Musik: Benjamin Boutreur
Koproduktion: STUK Leuven, Kunstenfestivaldesarts, Theater op de Markt, PACT Zollverein, La Ferme du Buisson, Festival a/d Werf, Göteborg Festival, steirischer herbst, Alkantara Lissabon, TNBA Bordeaux
Mit freundlicher Unterstützung von VAF, The Culture Programme of the European Union [NXTSTP], City of Antwerp
Präsentation: PACT Zollverein, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung von Ministerie van de Vlaamse Overheid, Brüssel
Wen Hui / Wu Wenguang/ Feng Dehua
Memory
Reise durch die Geschichte der Kulturrevolution
Das überdimensionale Netz auf der Bühne hat die im maoistischen China geborene Choreographin Wen Hui dem Moskitonetz ihrer Kindheitserinnerungen nachempfunden. Früher hing es über ihrem Bett, der Bühne ihrer ersten Auftritte vor der eigenen Familie. Gemeinsam mit ihrem Partner, dem Filmemacher Wu Wenguang, und ihrer gleichaltrigen Freundin Feng Dehua träumt sie sich in Memory zurück in diese Zeit. Alte Familienfotos und deren Geschichten vermischen sich auf dem zarten Stoff des Netzes mit Bildern aus Wu Wenguangs Dokumentation Meine Zeit bei der Roten Garde. Endlose Prozessionen von Soldaten und Kindern ziehen an brennenden Bucherhaufen vorbei. Der Kaiser wird entmachtet und zum Menschen gemacht. Die drei Darsteller tun nicht viel. Dennoch brauchen sie die ganze Kraft ihrer Körper, um sich dem gleichmachenden Prozess der Projektion zu widersetzen.
Das 1994 von Wen Hu und Wu Wenguan gegründete Living Dance Studio bietet Platz für eine kritische, nicht staatskonforme Kunstszene im Herzen Pekings. Dort durfte Memory nur vor geladenen Gasten gezeigt werden. Neben der preisgekrönten siebenstündigen Originalfassung wird bei Theater der Welt auch eine einstündige Fassung präsentiert.
Von und mit Wen Hui, Wu Wenguang, Feng Dehua
Preise und Zeiten:
16. Juli 2010, 20.00 Uhr (Kurzversion)
17. Juli 2010, 11.00 Uhr (Langversion)
Dauer: 60 Minuten/7 Stunden
Eintritt: 18 Euro/ermäßigt 9 Euro
Ort der Veranstaltung:
PACT Zollverein, Waschkaue, Schacht 1/2/8 [B45], Bullmannaue 19
Sprache: Chinesisch mit deutschen Übertiteln
Musik: Wen Bin
Video: Ricky Wong, Odette Scott
Produktion: Living Dance Studio
Koproduktion: Biennale de la Danse Lyon, Centre National de la Danse
Mit freundlicher Unterstützung von Borneoco Niederlande, der Französischen Botschaft in China, des Festivals Croisements
Präsentation: PACT Zollverein, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts
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